Zug um Zug bei der delikaten Schachpartie
Präsentation der Meisterwerke auf der Handwerksmesse – Fünf mal gab es ,,Ausgezeichnete Meisterarbeit"
Gleich zu Beginn der diesjährigen Mitteldeutschen Handwerksmesse in Leipzig sorgten 17 angehende Fleischermeister für einen der absoluten Höhepunkte der gesamten
Messewoche: Sie präsentierten als Bestandteil ihrer Prüfung die praktischen
Meisterarbeiten und gestalteten Schaubüfetts, die Appetit auf mehr machten.
Appetitlich und würzig nach frisch geräucherter Wurst roch es in der Messehalle
2. Am Samstagmorgen bauten die Schüler des jüngsten Kurses der
Meisterschule, die der Sächsische Fleischer-Innungs-Verband und die
Handwerkskammer zu Leipzig gemeinsam betreiben, ihre Meisterbüfetts
auf. Von diesem herzhaften Duft ließ sich auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Prof. Dr. Woll'gang Börmer als Schirmherr der diesjährigen Mitteldeutschen Handwerksmesse beim Eröffnungsrundgang ,,verführen" und kam bei der Besichtigung der tollen Schaustücke mit den angehenden Jungmeistern ins Gespräch.
Meisterwerke zum Verwöhnen
Vor ihrer öffentlichen Präsentation hatten sich die jungen Leute in der Lehrfleischerei des Bildungs- und Technologiezentrums in Borsdorf sowie in ihren Betrieben die Zutaten für ihre thematischen Schaustücke erarbeitet: Pasteten und Wurst, Knacker, Sülztorten sowie Wurst- und Käseplatten wurden entsprechend dem jeweils gewählten Thema arrangiert und effektvoll in Szene gesetzt. Das Themenspektrum der Arbeiten reichte vom Schulanfang über ein Festbüfett anlässlich des 79-jährigen Bestehens
von Rammenau über ,,Weidmanns Heil" bis zum ,,Perfekten Genuss" und
zu ,,Meisterwerke zum Verwöhnen". Mit ganz besonderen Meisterwerken
wartete Kristin Müller, vor einigen Jahren Bundessiegerin bei den Fleischerei-Fachverkäuferinnen, von der Fleischerei & Feinkost Jürgen Müller aus
Dresden auf: In ihrem mit Glas und Spiegeln arrangierten Spezialitäten-
Kabinett gab es ein ,,essbares Schachspiel" zu bewundern, zu dessen Gestaltung
die junge Frau sich von der diesjährigen Welt-Schacholympiade in
der sächsischen Landeshauptstadt inspirieren ließ. Das Schachbrett und
sein ,,Unterbau" bestanden aus mit Meerrettich gefüllten Schinkenröllchen.
Die einzelnen Schachfiguren wurden nach vielen
vielen Experimenten aus Koch- beziehungsweise Rinderschinken und Sahneaspik geformt und mit Sirup leicht eingefärbt. Dem Sieger dieses Schachspiels, bei dem jede geschlagene Figur gleich gegessen werden kann, winken zur besonderen Belohnung einzigartige Fleischpralinen. Dazu wurde zunächst eine Farce aus Kalbs- und Schweinefleisch hergestellt, die mit Sahne und Walnüssen beziehungsweise Kokos und Chili verfeinert und gewürzt wurden. Die geformten Pralinen wurden schließlich
mit Schokolade überzogen. ,,Wir haben viel probiert, bis die Schokolade auf unserer Kreation endlich gehalten hat, denn das Fleisch ist natürlich um einiges feuchter als eine herkömmliche Pralinenmasse beim Konditor", erläuterte Kristin Müller. Gemeinsam
mit einem benachbarten Bäckermeister wurde schließlich eine Lösung gefunden.
Gläserner Fleischtraum
Nicht ganz so zufrieden war die junge Dresdnerin mit einer ihrer Pasteten.
Sie tröstete sich jedoch damit, dass an dieser kleinen Unregelmäßigkeit der
Verbraucher erkenne, dass die Erzeugnisse handwerklich hergestellt und
wirklich mit der Hand produziert werden- und eben nicht in maschineller
Produktion nach genormten Vorgaben. Neben Kristin Müller, deren ,,gläserner
Fleischtraum" als ,,Ausgezeichnete Meisterarbeit" bewertet wurde,
freuten sich auch die Meisterschüler Annika Otto, Katrin Schlotze, Michael Franke und Stefan Blum über dieses Urteil des Prüfungsausschusses.
Rinderhälfte durch Kalbshälfte ersetzen
Eine besondere Herausforderung war für die angetretenen Meisteraspirantinnen
der Prüfungsteil ,Zerlegen einer Rinderhälfte. Abgesehen davon, dass heutzutage in den Fleischereien Rinderhälften nur noch selten verarbeitet werden, stoßen die jungen Damen bei dieser Arbeit körperlich, kräftemäßig und auch konditionell schnell an ihre
Grenzen", bestätigte Gottfried Wagner als Vorsitzender des Meisterprüfungsaus-schusses. ,,Deshalb werden wir für die Zukunft beantragen, dass im Meisterkurs an Stelle einer Rinderhälfte auch eine größere Kalbshälfte zerlegt werden kann, denn die Arbeitsanforderungen sind dabei sehr ähnlich." Er gratulierte den Meisterschülern,
von denen 14 mit dem abschließenden Büfett alle Prüfungsteile erfolgreich absolviert hatten, zu ihren gelungenen Arbeiten und hieß sie im Kreis der sächsischen Fleischermeister
willkommen.
AUSG EZEICHNETE M EISTER
Kristin Müller, Dresden
Annika Otto, Fraureuth
Katrin Schlotze, Gnaschwitz
Stefan Blum, Sebnitz
Michael Franke, Weinböhla